1. Dialog Forum online

10/02/2022

Corona und die Sitaution in den Krankenhäusern

Im ersten Dialog Forum online hat die CDU Walzbachtal das Thema aufgegriffen

 Am gestrigen Abend fand das erste Dialog Forum online der CDU Walzbachtal statt. Eingeladen wurde #Carsten Mohrhardt (stellv. Vorsitzender der CDU Blankenloch und hauptberuflich Arzt und Notfallmediziner). Carsten Mohrhardt arbeitet bei den ViDia Christlichen Kliniken Karlsruhe seit mehreren Jahren in der Unfallchirurgie im Bereich der Zentalen Notaufnahme.

Unser Thema war „Corona und die Lage in den Krankenhäuser“. Viele Meinungen und Halbwissen sind verbreitet und verunsichern die Bürger und Bürgerinnen. Wir wollten hier den Mitgliedern der CDU Walzbachtal ermöglichen, mal die Sicht aus der Perspektive der Krankenhäuser zu hören und Fragen zu stellen.

Wie wir erfuhren, sind viele Krankenhäuser nicht auf Pandemien ausgelegt. Das heißt, die Anzahl an Infekt- und Isolationskabinen ist eher gering. Sicherlich ein Versäumnis der letzten Jahrzehnte. Die kürzlich durch die Landesregierung BaWü eingesetzte Enquete-Kommission, soll daher die Lehren aus dieser Pandemie für zukünftige Pandemien ziehen und Maßnahmen definieren. 

Wir erfuhren weiterhin, dass Operationen, die nicht lebensnotwendig sind, aus personal- und kapazitätsgründen, verschoben wurden und noch werden. Wichtig ist das Verständnis, dass das  Personal im Infektionsbereich eine entsprechende Schutzausrüstung tragen muss. Praktisch bedeutet dies, dass das Personal zum Einen aus Infektionsschutzgründen nicht dauernd zwischen infizierten und nicht-infizierten Patienten wechseln kann, zum Anderen das An- und Ausziehen der Schutzausrüstung zeitlich zum Teil sehr aufwendig ist und dadurch Personal gebunden ist. Im Grunde genommen benötigt man fast doppeltes Personal, angefangen von Reinigungskräften und technischen Dienstleistungen bis hin zu Ärzten und Pflegekräften.

Auf die Frage, ob eine Unterstützung von Bundeswehrärzten in den Krankenhäusern hilfreich wäre, erfuhren wir, dass die diese im Inland in den Bundeswehr-Krankenhäusern selbst benötigt werden und freie Ressourcen eher im Bereich der Katastrophen- bzw. Kriegsmedizin bestünden. Benötigte Intensiv- und Infektionsspezialisten gäbe es auch bei der Bundeswehr nicht im Überfluss, ebenso wenig wie die dringend gesuchten Pflegekräfte.

Wir haben den typischen zeitlichen Tagesablauf geschildert bekommen, z.B. wann die meisten Menschen in Krankenhäuser eingeliefert werden, die dann folgenden allgemeine Abläufe und auch die durch die Infektionsschutzmaßnahmen bei Covid-19 Patienten entstehenden Probleme und Belastungen. Insbesondere die nächtlichen Ausgangsperren, aber auch Homeoffice & Lockdown hätten jedoch zu einer spürbare Entlastung in den Notaufnahmen und Stationen geführt. Auch die bis vor kurzem geltende nächtliche Ausgangssperre habe viel Positives gebracht, so seien Nachts wesentlich weniger Unfälle passiert und auch die Zahl der alkoholisierten Patienten in dieser Zeit habe deutlich abgenommen. Auch die Kita- und Schulschließungen hatten in der Pandemie einen deutlichen positiven Einfluss auf das Infektionsgeschehen, was aus Sicht der Krankenhäuser ebenfalls sehr hilfreich war.

Auf den Normalstationen und in der Notaufnahme kommt es zudem immer wieder zu der Situation, dass Menschen eingeliefert werden, die erst im Nachhinein positiv getestet wurden. Oder die Masken nicht konsequent tragen oder tragen können. Dies führt leider zu weiteren Infektionen, so dass trotz aller Schutzmaßnahmen auch eigentliche sichere Krankenhäuser zu kleinen Hotspots werden können.

Erläutert wurde auch, dass ein Intensivregister eingeführt wurde. Diese zeigt online freie Kapazitäten auf Intensivstationen an, so das heute nicht mehr ewig für ein freies Intensivbett in der Gegend herum telefoniert werden müsse.

Auf die Frage zu Impfstoffen wurde uns mitgeteilt, dass mRNA basierte Impfstoffe bereits 2003 in klinischen Studien getestet und z.B. als Krebsimpfstoff verwendet wurden. Diese Technologie ist also schon länger im Einsatz und erprobt. Grundsätzlich ist die Impfung ein wichtiger Baustein in der Bekämpfung der Pandemie, da sie zu einem sehr hohen Maß vor schwerer Erkrankung schütz. Ohne diese Impfung gäbe es sicherlich unzählige Tote mehr. Zudem wird auch die Virenlast und damit die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Übertragung reduziert.

Wir ziehen aus dem Gespräch mit Carsten Mohrhardt, den Schluss, dass die Krankenhäuser mit ihrem Personal und der Ausstattung den „Flaschenhals“ darstellen. Daher sind die medizinischen Einrichtungen sowie das Personal gegen Überlastung zu schützen. Dazu helfen die Impfungen, die Masken sowie Abstandsregeln. Schulschließungen und Lockdowns sind hilfreiche Instrumente in der  Pandemie, um eine Überlastung bei bestimmten täglichen Spitzenlasten zu vermeiden. Auch eine Impfpflicht sehen wir positiv, damit eine breite Grundimmunisierung stattfindet.

Eine 100%ige Sicherheit gibt es nicht, was aber erreichbar ist, ist die Reduzierung der Infektionswahrscheinlichkeit und die Minimierung von schweren Verläufen und somit eine Vermeidung des Kollaps im Gesundheitswesen. Und da ist jeder Bürger und jede Bürgerin der Gesellschaft gegenüber in der Verantwortung.

Tino Villano

 

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